„Der Sinn ruft!“

Als Mutter eines 15 jährigen Sohnes  frage ich mich immer wieder, ob ich meine Eltern-Rolle gut erfülle. Es scheitert heute in unserer Wohlstands-Gesellschaft ja nicht am „zu wenig“ sondern oft „am zuviel“. Glücklicherweise passieren dann Ereignisse wie diese, die mich zuversichtlich stimmen und meinem Grübeln sofort Einhalt geben:
Am vorletzten Urlaubs-Tag in den Bergen erwähnte mein Sohn, dass er sich für morgen den Wecker auf 5.30 stellen würde. Ursprünglich habe ich dem nicht so viel Bedeutung zugemessen.
Aber dann kam der nächste morgen und weder die minus 11 Grad, noch der Sturm, noch die morgendlich, eigentlich nächtliche Finsternis haben ihn abhalten können, schnurstracks aufzustehen, sich anzuziehen und sich im Hotel-Foyer einzufinden.

Dort wartete der Rest der Gruppe – eine  Gemeinschaft von Jugendlichen unterschiedlichsten Alter, die sich alljährlich hier findet und zusammen wächst.

Sie haben beschlossen gemeinsam 1 Std. auf den Berg zu wandern, um den Sonnenaufgang zu sehen und dann ins Dorf runter zu rodeln.

Beim Frühstück erzählten Sie mit müden Augen aber leuchtendem Blick von dem beeindruckenden Morgen-Erlebnis.  Es war ein Sinn-Anruf in Gemeinschaft ein schönes Erlebnis zu teilen, das offensichtlich so erstrebenswert war, dass das frühe Aufstehen und  das disziplinierte Hinauf-Stapfen bei eisiger Kälte überstrahlt wurde.

Wer ein Warum im Leben hat, erträgt jedes Wie, sagte schon Nietzsche.

Und wer weiß, ob dieses Erlebnis gleichermaßen eindrucksvoll gewesen wäre, ohne der Anstrengung im Vorfeld? Ich habe mir das Video angeschaut und so die schönen Bilder geteilt  – das Erlebnis-Gefühl in der Gemeinschaft,  konnte ich dabei nicht teilen, nur erahnen und mich daran freuen, dass mein Sohn es für sich entdeckt hat.
Sinn kann schließlich nicht verordnet und nicht gegeben werden, nur gefunden.
Der erste Schritt zum wahren Glück besteht darin aus dem eigenen Selbst herauszutreten und um draußen zu bleiben, braucht es eine Aufgabe die uns ganz in Anspruch nimmt. Dann schreiben wir biographische Episoden und füllen unsere Scheune des Lebens.
Wer den Sinn-Anruf hören will, muss lauschen, wach sein und bereit,  aus sich herauszutreten.

Buchtipp: Die hellen Tage von Zsuzsa Bánk erzählt die Geschichten von drei Familien und begleitet die jungen Helden und ihre Freundschaft auf ihrem Lebensweg zum Erwachsen-Werden.
Einer meiner Lieblingssätze aus dem Buch: „Wir fielen durch helle Tage und vergaßen die Zeit.“

 

Kommentare (2)

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  • Liebe Daniela,
    wie wahr! Gestern bin ich um 2:30 aufgestanden um den Sonnenaufgang vom Adam’s Peak zu beobachten. Dabei ist mir das Aufstehen nicht sonderlich schwer gefallen – was man sonst nicht immer behaupten kann 😉 – und der tolle Ausblick hat es 10x gelohnt :). Den Frühstückstee nach dem Abstieg habe ich mir dann mit 3 Löffel Zucker gegönnt 😉

    • Lieber Dominik!
      großartig! Danke für Dein Beispiel. Müßiggang wird eben erst dann wirklich erfüllend wenn er einer schöpferischen Tätigkeit folgt.
      ..und jede noch so große Anstrengung kann bewältigt werden, wenn sie auf eine Sinn-stiftende Zukunft ausgerichtet ist.


„Zufall ist der Ort, an dem das Wunder nisten kann.“ Viktor Frankl

Der taufrische erste Morgen des neuen Jahres verströmt eine kostbare, verheißungsvolle aber auch Ehrfurcht einflößende Energie. Gut begonnen soll es werden, die ersten Spuren achtsam gesetzt, damit der weitere Verlauf in die gewünschte Richtung begünstigt wird.
So ähnlich geht es mir mit dem ersten Blog-Beitrag des  Jahres. Seit Tagen überlege ich was der SINN-vollste Anfang sein könnte. Neubeginn, Wachstum, Entwicklung und Entfaltung sind die Schlagwörter in meinem Kopf. Am Beginn der Ideen-Sammlung kann ich mich zwischen den unzähligen Impulsen nicht entscheiden; Am Ende scheint mir keiner erlesen genug.  Das Pendel  zwischen Optionalität und Perfektionismus schlägt rastlos hin und her, bis ich mich daran erinnere, was schon oft zum Gelingen geführt hat: Ich schaffe einen Landeplatz für den Zufall und somit für das Wunder.
Es handelt sich hier keinesfalls um fatalistische Hoffnungslosigkeit sondern vielmehr um ein fokussiertes Innehalten. Ich bringe mein innerliches Pendel zur Ruhe, werde still und besonders achtsam, um auch wirklich ganz da zu sein, wenn sich das Richtige offenbart.

Und da lag dieses Pergament-Röllchen auf meinem Frühstückstisch – liebevoll zusammengehalten von einer roten Kordel – in einem Glas neben einer Hyazinthen-Zwiebel.  Eine  Neujahrs-Aufmerksamkeit des Hotels. Noch ehe ich die Kordel löste, ahnte ich, dass ich der Antwort nahe war. Bei jeder Zeile stellte sich die Gewissheit ein. Das ist die Botschaft, die ich gesucht habe und teilen wollte:

„Wachsen heißt nicht, möglichst schnell, möglichst groß werden.
Wachsen heißt: ganz behutsam und allmählich die uns eigene und angemessene Größe entwickeln, bis wir den Himmel in uns berühren!“

Wie bei einer Blumenzwiebel, die im Kern schon die volle Blüte trägt, ist auch bei uns Menschen nichts hinzuzufügen. Unter der Schneedecke bereitet sich die Natur zu Jahresbeginn auf ihr Wachstum vor und lädt uns ein es ihr gleich zu tun.
Willkommen im neuen Jahr.

 

Mein Buchtipp für den Jänner: Richard Powers  – das größere Glück. Ganz egal ob man sich von der Geschichte der Protagonistin, bei der ein besonderes Glücks-Gen entdeckt wurde, hinreißen lässt oder von den unzähligen Erkenntnissen in dem Buch zum Thema Glück…. Dieses Buch ist eine fast meditative Angelegenheit über die großen Lebensfragen. Eine Wundertüte voller weiser Zitate, spannender wissenschaftlicher Erkenntnisse und Anregungen wie dieser: „Schreib den Tagebucheintrag für den Tag in der Zukunft, den Du auf jeden Fall erleben willst.“

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  • „ZUFALL IST DER ORT, AN DEM DAS GLÜCK NISTEN KANN.“
    Funktioniert aber nur dann, wenn wir dem Zufall auch eine Chance geben. Wer es nicht immer wieder schafft, der „Alltagstretmühle“ zu entfliehen, wird nicht mit „positiven“ Zufällen überrascht, sondern vielmehr von seiner eigenen „Planungssicherheit“ überrollt.